Wir sind als Originale geboren,
wir sterben aber als Kopien
- Arno Grün -

Im Spiegel hinter der Kopie

„Er sagte mir, ich solle mich beruhigen. Stell dir vor! Er hat sich nicht einmal dafür entschuldigt, dass er zum wiederholten Mal meine Hautschere zum Schneiden seiner Zehennägel benutzt hat!!! Keine Spur von Schuld, nur lapidar: Beruhige dich!!!", - erzählt mir eine Freundin.

Ich sage ihr: „Kannst du denn deine Schere nicht woanders hin legen?". Worauf sie rasch antwortet: „Ne, stell dir vor! Ihm ist es einfach so was von egal! " Ich höre ihr noch eine Weile zu und denke: du möchtest keine Lösung. Du bist wie ein gefangener Vogel, unglücklich, dass ER nicht auf dich hört. Aber das Türchen zu deinem Käfig geht von Innen auf, du aber schaust dir den Verschluss an und schlägst weiter mit den Flügeln gegen das Gitter...

Wir beschweren uns so gerne, wir fordern und erwarten statt wirklich nach Lösungen zu suchen. Warum nur? Unreflektiert ertönt das Wort der Empörung „Ich verstehe es einfach nicht!!!", der so laut klingt, dass wir nichts mehr hören können – weder von Außen, noch von Innen.
In Beziehungen reagieren wir oft nicht konstruktiv, sondern bewegen uns in den festgefahrenen Spuren eigener Muster. Jemand hat unseren Wunsch ignoriert? – wir fühlen uns zutiefst verletzt. Und nicht wegen der Schere – nein, weil WIR ignoriert wurden. Das erinnert uns an eine ganz andere Geschichte, das versetzt uns in einem Bruchteil von Sekunde um Jahrzehnte zurück, in ein gut bekanntes Gefühl der Unwichtigkeit. Wir sind plötzlich wieder ein Kind, Mama reagiert nicht, wir sind hilflos, wütend, enttäuscht - jeder auf seine Art – und hier und jetzt mit der Schere in der Hand landen wir genau da – im gleichen Gefühl von damals und sind gefangen. Damals schwuren wir vielleicht gar: wenn ich groß bin, wird es NIEMANDEN geben, dem ich es erlaube, mich zu ignorieren. Und jetzt – da steht er, der Mann, den ich mir ausgesucht habe, und tut es...

Das fatale ist, dass weder die Schere, noch der Mann mit meinem Gefühl etwas zu tun haben – sie sind nur die Auslöser. Und viele Menschen suchen die Flucht: der eine gibt auf und vereinsamt in der Opferrolle, der andere wird nicht müde, die gleiche Empörung zu singen und den Partner mit Vorwürfen zu übersähen, der dritte wechselt zuerst die Schere, dann den Mann, aber das Problem bleibt.

Diese Verhaltensmuster – sind nicht wir, wie die meisten glauben, das sind nur vor langer Zeit angelernte Taktiken, mit dem bekannten und meist schmerzhaften Gefühl umzugehen.
„Wir sind als Originale geboren, wir sterben aber als Kopien" – schreibt der deutsche Psychoanalytiker Arno Grün. Wir werden geboren und treffen auf eine Realität, auf die Reaktionen unserer Eltern, ihre Verhaltens- und Sichtweisen. Und so schnell die neuen Zellen im Gehirn eines Neugeborenen wachsen – so schnell lernen wir, neue Verknüpfungen zwischen den Zellen herzustellen, eigene Verknüpfungen, unsere Taktiken, um in dieser Welt durchzukommen, um die Zuneigung und die Liebe dieser großen wunderbaren Menschen – unserer Eltern – zu gewinnen. Ich weine – dann kommt die Mutter, egal wo sie war, und schenkt mir ihre Aufmerksamkeit, so lerne ich – aha, weinen und jammern bringt mir Zuwendung. Oder die Mutter kommt nicht, oder kommt und ärgert sich und ist schnell wieder weg, dafür lacht sie und bleibt länger, wenn ich lache – ach wie schön es doch ist, so lache ich ein wenig mehr, als mir danach ist. Und so lerne ich – ich bin ein Sonnenschein, und mit 40 lache ich immer noch, auch wenn es gar nichts zum Lachen gibt... Aber egal wie – als Kinder lernen wir täglich, stündlich, jeden Augenblick, und tragen diese Strukturen später wie Automatismen mit uns herum, als Kostüme.

Wir kopieren unsere Eltern unbewusst. Und im Protest: „ich werde niemals so wie du" – kopieren wir ihre Themen trotzdem. Kommen Sie näher zum Spiegel, schauen Sie hinein, in Ihre Augen: da, hinter den ganzen Kulissen versteckt sich ein Original, der Mensch, der Sie mal waren, bevor Sie sich aus Liebe zu den Eltern aufgaben, ein hoher Preis. Im Kontakt mit meinem Wesen fühle ich mich von der Situation mit der Schere nicht betroffen, ich könnte meine Hautschere wegräumen, und dahin, wo mein Mann immer zur Schere greift, eine Extra-Schere für ihn platzieren, oder irgend eine andere konstruktive Lösung finden.

Wie unterscheide ich aber, wer ich wirklich bin und was meine Muster sind, meine Strategien, um mich zu verstecken, mich zu verleugnen? Muster sind gelernt, zwanghaft, automatisch, sie wiederholen sich und möchten immer Recht haben.

Aber wie kann man diese Muster ablegen und mein Original zurück gewinnen?

Dazu gibt es viele Wege. Jedem therapeutischen Ansatz liegt diese Suche nach dem wahren Ich zugrunde. In jeder Therapie werden auch die alten Geschichten angeschaut, die Historie der Vervielfältigung.

Der Hoffman Prozess widmet sich dem Thema auf eine außergewöhnliche Weise – nicht nur kognitiv, sondern erfahrungsorientiert, über die Gefühle, über den Körper und den Geist. Ohne jahrelange Therapie lernen die Teilnehmer des Hoffman Prozesses die Kopie vom Original zu unterscheiden und danach selbst darüber zu entscheiden, welchen Weg sie einschlagen wollen – wie bisher gewohnt den automatischen Mustern und Strukturen zu folgen, oder anders, sich selbst treu, aufrichtig, emphatisch, ausgeglichen und lebensfroh das Leben zu gestalten..

Wie genau das funktioniert, können sie auf unserer Webseite unter "Hoffman Prozess – der Weg durch den Prozess" lesen.

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Tilda