Eine
Begegnung
Juni 2019
Daria Markin trifft Carmel Lee Paul
Eine tolle Frau, voller Energie und Herzlichkeit, warm und klar zugleich sitzt mir gegenüber.
Carmel Lee Paul, heute eine erfolgreiche Coach und Diagnostik-Spezialistin mit großen Menschenkenntnissen, Liebe zu ihrem Beruf und zu den Menschen. Damals - die Gründerin des ersten Hoffman Institutes in Österreich.

Vor 32 Jahren begann die Geschichte des Hoffman Prozesses in Europa, Carmel Lee war dabei. Eine Begegnung von Herz zu Herz, eine Geschichte, die weiter geht.

1987 hat Carmel Lee an einem der ersten Hoffman Prozesse in Europa teilgenommen, hat bei Bob Hoffman gelernt und brachte diese Arbeit in ihr Land. Mehr als 10 Jahre leitete sie vorerst alleine, dann zusammen mit anderen das erste Hoffman Institut Österreich.
Daria Markin:
Carmel Lee, du warst schon ganz am Anfang mit dabei, wie war das damals?
Carmel Lee Paul:
Alles begann mit einer Konferenz auf Lanzarote zum Thema „Liebe". Mein damaliger Partner hat die Konferenz gefilmt, ich habe ihn begleitet und bei der Konferenz assistiert. Einer der Vortragsredner war Bob Hoffman. Eine amerikanische Therapeutin, Margo Anand, kannte Bob und hatte ihn an das Forum in Freiburg vermittelt, eine Organisation, die auch die Konferenz auf Lanzarote organisiert hatte. Sein Vortrag hat mich fasziniert, aber noch mehr die Einzelgespräche, die er anbot. Ich war bereits einige Jahre auf der Suche nach mir selbst, nach dem, was mich eigentlich ausmachte und im Gespräch mit Bob wurde mir klar, dass der Hoffman Prozess ein Weg sein könnte. Und ich verstand auch, dass um in einer Beziehung glücklich zu leben, ich erstmal mit mir selbst ins Klare kommen sollte.

Ich entschied mich, diese Arbeit kennen zu lernen, organisierte viele Infoabende in Wien, bei denen wir Filme von der Konferenz zeigten. Diese Abende hatten einen großen Zulauf. Einmal kamen über 70 Gäste, die Menschen waren begeistert, sie wollten den Prozess selbst erleben. Der erste Prozess war für August 1987 geplant.
DM:
Nach solch einem Start war der erste Prozess bestimmt schnell ausgebucht?
CLP:
Wider Erwarten nicht, Menschen haben oft Angst vor Unbekanntem, beim Zuhören sind wir zunächst begeistert, wenn es aber ums Tun geht, kneifen wir oft. Bob sagte, er käme mit seinem Team, wenn wir 10 Teilnehmer hätten. 3 Wochen vor dem Termin kam der Anruf aus USA mit der Frage, ob die Gruppe zustande käme. Ja, sagte ich. Tatsächlich waren zu dem Zeitpunkt aber nur 5 Teilnehmer angemeldet... Ich hatte noch etwas Zeit gewonnen. 2 Tage vor Beginn meldeten sich Nummer 9 und 10 an und die Gruppe war komplett.
DM:
Hattest du davor den Prozess bereits in einem anderen Land gemacht?
CLP:
(lacht) Nein, es war ganz verrückt, ich wusste ja eigentlich nicht wirklich, was auf mich zukommt, ich war Organisatorin und Teilnehmerin zugleich. Ich hatte ein Schloss als Seminarort gefunden, wo meines Erachtens der Prozess gut hingepasst hätte. Das Team kam an, es gab einen tollen Rittersaal als Seminarraum mit einem großen Hof vor den Fenstern, wo viele andere Gäste die Sonne genossen. Bob schaute sich das an und sagte: das geht gar nicht. Wir brauchen einen stillen Raum. Und so landeten wir im Keller unterhalb des Tennisplatzes, im kleineren verspiegelten Raum, es war sehr abenteuerlich.

Da machte ich meinen Prozess, der wie nichts anderes davor und danach mein Leben verändert hat.
DM:
Wie ging es dann weiter? Wie oft fanden die Prozesse in der Anfangszeit statt?
CLP:
Na von diesem ersten Schloss mit verspiegelten Wänden haben wir ins Schloss Obermayerhofen gewechselt, das dem Grafen und der Gräfin Kottulinky gehörte. 1988 im Februar fand dann direkt der nächste Prozess statt, in dem Jahr gab es 4 Prozesse. Das schlug ein, wie eine Bombe, die Nachfrage war so groß, die Gruppen wurden schnell größer und im Jahr darauf machten wir schon 8 Prozesse mit bis zu 30 Teilnehmern pro Kurs. Auch das Trainerteam hat sich schnell vergrößert. Als Supervisoren kamen Hoffman Trainer aus der ganzen Welt, Stanley aus USA war dabei, Bob selbst, Beatrix Wenger. Im Trainerteam in Österreich waren Michael Plappert, Mischa Rainer, Friederike Rothmeier und Angelika Scott hieß. Aus Deutschland kamen Jochen Windhausen, der bis vor kurzen das deutsche Hoffman Institut leitete, Martin Krämer (heute Stern), Michael Wenger, später auch Lisa Wenger (heute in der ganzen Welt im Hoffman Team unterwegs), Karin Reuter und später auch ihre Tochter Katrin Reuter, die heute das französische Hoffman Institut leitet, Dieter Kurt Schmidt und andere.

Das Institut wuchs schnell und stark, es entwickelte sich, wir haben eine tolle Arbeit geleistet, gute Vorgespräche als Vorbereitung für die Teilnehmer geführt, ich weiß, dass ihr das auch macht.
DM:
Ja, natürlich. Aber erzähl, wie ging es weiter und warum gab es irgendwann das Institut in Österreich nicht mehr.
CLP:
Bis 1991-92 erlebten wir ein starkes Wachstum. Und dann kam ein Einbruch mit dem Psychotherapie-Gesetz in Österreich. 1992 trennten wir uns von Michael Plappert und ich blieb allein in der Leitung. Mein Sohn Matheo wurde geboren und es gab nach wie vor sehr viel Arbeit im Institut – die Organisation des Ganzen, auch die Prozesse zu begleiten, du kennst es ja. Es war zu viel und ich musste mich entscheiden. Ich entschied mich für meinen Sohn und stieg aus, das Institut blieb in Händen von Mischa Rainer, ich arbeitete noch eine Weile ab und zu als Trainerin weiter, aber die Zeit reichte trotzdem nicht aus. Wir bringen den Menschen bei, wie wichtig der Umgang mit Kindern in den ersten Jahren ist, dass sie umgeben von Liebe und Aufmerksamkeit sind, das wollte ich auch leben und stieg endgültig aus. Mischa machte es noch eine Weile alleine, entwickelte aber auch eigene Programme und mit der Zeit fanden keine Hoffman Prozesse mehr statt.
DM:
Zwischen 1987 und 1999 – 12 Jahre Hoffman Prozess in Österreich. Tat es dir Weh loszulassen? Du hast ja so viele Jahre Arbeit, Begeisterung und Seele da reingesteckt?
CLP:
Natürlich tat das auch Weh, das war wie mein erstes Kind. Ich hatte auch einen Fehgedanken: ich dachte zunächst, ich kann nichts anderes, als im Hoffman Prozess zu arbeiten. Aber dann schenkte mir das Universum erste Aufträge als Diagnostikerin und Coach und ich merkte – ich kann Menschen begleiten und etwas bewirken, was aber nicht so zeitintensiv ist und mir mehr Freiraum für meine Familie lässt. Nun bin ich sehr froh, dass diese Arbeit hier wiedererweckt wurde.
DM:
Carmel Lee, noch ein paar Fragen: Wo fanden die Prozesse damals statt?
CLP:
Wir waren erstmals wie gesagt im Schloss Obermayerhofen, dann wechselten wir zum Hotel Retter in Pöllauberg. Und einige Jahre fand der Prozess an einem schönen Ort bei Gresten statt.
DM:
Das ist jetzt nicht wahr!!! Im Wolfsberg?
CLP:
Wenn du Fotos hast, werde ich es widererkennen. Ja, das war da!
DM:
Das ist ja unglaublich! Wir sind per Zufall auf Wolfsberg gestoßen, die Besitzer – Astrid Alderath zusammen mit ihrem Mann Engelbert haben den Hof vor ein paar Jahren gekauft, wahrscheinlich wissen sie nichts von der Geschichte. Wir fühlten uns da direkt wohl.
CLP:
Es gibt keine Zufälle. Das ist eine sehr schöne Nachricht.
DM:
Was ist am Hoffman Prozess damals anders gewesen?
CLP:
Er dauerte etwas länger, 8,5 Tage plus 2 Ruhe-Tage. Und der Zeitplan war sehr stramm, wir schliefen teilweise nur ein paar Stunden. Ich weiß, dass der Prozess etwas entzerrt und auch durch andere Übungen ergänzt wurde. Bei uns kam eine Körpertherapeutin nach dem Kurs, um die Teilnehmer bei der Integration im Körper zu begleiten. Es wurden Massagen angeboten.
DM:
Das machen wir auch. Eine wunderbare Masseurin aus UK kommt extra dafür zu uns.
Carmel Lee, was war für dich damals als Hoffman Instituts Leiterin und Hoffman Trainerin das Schwierigste?
CLP:
Wenn ich was mache, dann identifiziere ich mich damit, ich gebe mich ganz. Wahrscheinlich war es am schwierigsten die Präsenz über längere Zeiträume zu halten – 8 Tage lang 14 Stunden am Tag, extreme Beanspruchung. Nach ´92 waren es auch die Teilnehmerzahlen, um die wir kämpften. Der Markt wurde verseucht von schlechten Angeboten...
DM:
Und was beflügelte dich?
CLP:
Die Liebe. Absolutes Commitment und Engagement. Und die Liebe zu mir selbst und zu den Menschen. Der Prozess war so bedeutsam für mich und die Idee das weiter geben zu können trug mich über viele Jahre. Die Gesichter der Menschen, ihre Geschichten, es war immer wieder berührend zu sehen, dass Menschen es schafften, ihr Leben zu verändern. Ich lebte Hingabe, Begeisterung und Wirksamkeit...
Carmel Lee Paul, eine schöne Frau, der fließende bordeauxrote Stoff ihrer Bluse, Katzenzungen-Schokolade und der Duft eines Cappuccinos, Termine davor und danach, ich hätte ihr noch stundenlang zuhören können, noch so vieles fragen.

„Hingabe, Begeisterung und Wirksamkeit" – sind das nicht die Dinge, die uns so gut tun? Und Verbundenheit – von früher und von jetzt mit dem, was wird. Verbundenheit ohne Zeit. Das einzige, was uns trennt, ist der Raum, der uns verbindet.
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